Billigst Mountain-Bike – Schnäppchen oder Reinfall 2


Ein Schnäppchen
Bei einem Großhandel gab es letztens ein Mountain-Bike im Angebot. Da mein altes Herrenrad langsam dem Verschleiss anheim fällt und allgemein auch nicht sehr viel Spass beim Fahren bringt, habe ich mir überlegt was sinnvoller wäre: das alte Herrenrad wieder fitten oder gleich ein neues, ’spritzigeres‘ Fahrrad kaufen.
Bei meinem alten Fahrrad wären mindestens neue Reifen und ein neues Tretlager fällig gewesen.
Ich habe jetzt keine grosse Ahnung von den Preisen bei Fahrrad-Teilen, aber ich denke mal mit 50 € ist man da schon dabei.
Das Mountain-Bike aus dem Angebot hat 80 € gekostet. Wenn man alleine den Wert der Einzelteile bedenkt, ein Schnäppchen.

Wie gut kann nun ein solches Fahrrad sein?
Nun, zunächst einmal hat es eine 18-Gang Schaltung von Shimano (was aber heut nix mehr heissen muss) mit Grip Shift Bedienung am Lenker.
Der Rahmen wirkt stabil und ist sauber verschweisst. Die Federungen der Gabel und des Rahmens erfüllen ihren Zweck und machen von der Verarbeitung her eigentlich keinen schlechten Eindruck auf mich.

Wie nicht anders zu erwarten, gibt es ein paar Mankos bei diesem Produkt (die aber nicht unbedingt von Bedeutung sein müssen):
Zunächst einmal: das Fahrrad befindet sich beim Kauf teilweise zerlegt in einem kompakten Karton. Man darf sich also nicht scheuen, etwas Zeit und einen Schraubenschlüssel zur Hand zu haben. Andererseits ist der Karton gut zu transportieren (bei meinem Fiesta einfach die Rücksitze umgeplappt und rein in der Kofferaum mit dem Ding).

Alles minderwertig?
Die ‚Schutzbleche‘ vorne und hinten wirken billig und sind aus relativ dünnem Kunststoff gefertigt. So ist bereits nach ‚gutem‘ Anziehen der Schraube die Befestigung der hinteren Abdeckung gerissen. Da ich die Dinger aber eh lächerlich finde, und ausserdem normalerweise nicht bei Regen fahre, habe ich sie entfernt.
An den Lenkerenden des Fahrrads befanden sich diese ‚Hörner‘. Manch einer mag damit zurechtkommen, ich jedoch nicht.
Deshalb habe ich diese Teile ebenfalls entfernt.
Reifen, Felgen, Lenker usw. sind sicher nichts Besonderes, wirken aber nicht unbedingt minderwertig. Zumindest hört man keine Knarz-Geräusche und das Rad fährt sich allgemein recht gut.
Beleuchtung ist keine vorhanden, nur Reflektoren. Aber gut, kann man bei dem Preis etwas anderes erwarten?
Ich persönlich fahre ausserdem nicht nachts.

Ergonomie
Der Sattel des Fahrrads ist definitiv unergonomisch. Nach einer halben Stunde tat mir der Hintern weh.
Deshalb musste ein neuer Sattel her, der mit 30€ zu Buche schlug und zu einem wesentlich angenehmeren Fahren führte.
Die Lenkergriffe ebenfalls als besonders unergonomisch zu bezeichnen, da sich bereits nach 20 Minuten Fahren ein Kribbeln in den Händen bei mir einstellte, was dazu führte dass ich verzweifelt eine bessere Griffposition mit den Händen suchte.
Keine Frage: da mussten neue Griffe her. Was sich jedoch als nicht besonders einfach herrausstellte.
So sagte man mir im Fahrradladen, dass dieser Grifftyp eher ungewöhnlich ist und man in diesem Bereich nichts ‚ergonomisches‘ da hätte.
Ich solle im Spezialladen oder im Internet schauen.
Das Problem ist, dass aufgrund der beidseitigen Grip-Shift Armaturen selbst nach Entfernen der werksseitig angebrachten ‚Hörner‘ wenig Platz für Griffgummis an diesem Lenker ist.
Deshalb sind die meisten ergonomischen Griffgummis zu lang. Grip-Shift Schaltungen sind anscheinend in Normalfall nur auf einer Seite des Lenkers vorhanden, weshalb es hierfür Griffgummi-Kits gibt, bei denen ein Griffgummi kurz ist und einer lang.
Jedoch habe ich dann nach eigenem Suchen an der Regalwand doch noch ergonomische Griffgummis gefunden die von der Länge her ungefähr passen und wesentlich besser sind als die Standard-Gummis.
Nach einer dreiviertelstündigen Testrunde bin ich jetzt echt nicht unzufrieden. Das Ersetzen von Sattel und Griffgummis hat einiges gebracht.
Nun habe ich also für ca. 120€ ein Fahrrad, dass zwar weder eine ‚Marke‘, noch besonders hochwertig ist; dennoch fährt es sich recht gut und für meine Zwecke tut es das bisher völlig.
Mal sehen, ob sich das Mountain-Bike auch nach längeren Einsatz noch bewährt, oder ob dann doch noch das relativ niedrige Niveau der verwendeten Komponenten zum Tragen kommt.

Fazit: solch ein Fahrrad ist im unveränderten Zustand eigentlich ein Witz, und so kaum zu gebrauchen.
Aber wenn man noch ein paar Euro investiert und auch gerne ein bisschen schraubt, hat man ein günstiges Einstiegs-Gerät das durchaus Spass machen kann.

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