DOSBox: DOS-Sequenzer wiederbelebt 5


Der DOS-Sequenzer ‚Sequenzer Plus Gold‘ von Voyetra ist mittlerweile kostenlos erhältlich. Ich hatte Anfang der 90er Jahre irgendwann eine Soundkarte von einem Bekannten erworben, bei der eben dieser Sequenzer dabei war (in der ‚Classic‘ Version).
Durch dieses Programm bin ich überhaupt erst zum Musik machen gekommen, damals noch mit externen Hardware-Synthesizern.
Die einfache, schnelle und zugleich mächtige Bedienung dieses reinen MIDI-Sequenzers hatte mich damals komplett in den Bann gezogen und es machte unglaublich viel Spass mit diesem Programm Musik zu machen, so dass ich damit etliche Songs erstellt habe. Einige dieser Tracks kann man heut noch auf www.soundtimes.de hören.
Die Umstellung auf Windows, die hauptsächlich aufgrund von Audio und VST-Plugin Unterstützung erfolgte, brachte allerdings auch einen massiven Einbruch an intuitiver Arbeitsweise mit sich.
Lange Zeit habe ich gebraucht, um mich an den immerhin sehr guten Windows-Sequenzer Logic Audio zu gewöhnen. Aber ich hatte nie mehr zurückgefunden in diese ‚Macht‘ die ich damals zu DOS-Zeiten über die MIDI-Noten hatte.
Die Tatsache, dass es mittlerweile sehr viele hervorragende, kostenlose Software-Synthesizer und -Sampler gibt, sowie das Programm ‚Ableton Live‘ haben zwar über einiges hinweg-getröstet aber dennoch habe ich nie die schnelle, effektive Arbeitsweise des DOS-Sequenzers im Verbund mit externer Hardware erreicht.

Bereits vor einiger Zeit habe ich mal das Experiment gewagt, einen 2ten PC unter DOS mit dem SEQ und einem MIDI-Interface auszustatten, und diesen dann per MIDI mit meinem Windows-Rechner zu verbinden. Das hat auch soweit gut funktioniert. Aber es war etwas ‚unhandlich‘ immer 2 Rechner hochzufahren, und einen zweiten Bildschirm zu betreiben bzw. per Video-Eingang das Bild des DOS-PCs in einem Fenster einzubinden.

Deshalb nun das Experiment mit Sequenzer Plus unter der Software ‚DOSBox‘.

SEQ Main SEQ Edit
SEQ View SEQ Options

Manch einer mag sich vielleicht fragen: ‚Warum nicht einfach den Sequenzer in einer DOS-Box starten?‘
Nun, das hat drei Gründe:
1) Das MPU401-kompatible Interface welches Windows in einer DOS-Box bereitstellt, funktioniert nicht mit SEQ (->Interrupt not found)
2) Der DOS-Sequenzer unterstützt sehr wenig MIDI-Hardware direkt, USB-Geräte schon gar nicht
3) Selbst wenn man ein unterstützes MIDI-Interface besitzt, ist die Echtzeit-Performance in der Windows DOS-Box leider unzureichend.

Die Software ‚DOSBox‘ ist eigentlich für alte DOS-Spiele entwickelt worden, und insofern auf Multimedia-Funktionen optimiert.
Deshalb liegt die Idee nahe, den alten DOS-Sequenzer damit laufen zu lassen.
Da nun halt die Priorität der DOSBox-Entwickler bei DOS-Spielen liegt, wurde bisher leider nicht die Unterstützung eines MIDI-Eingangs implementiert.
Dies wäre aber ein KO-Kriterium für den Sequenzer.
Glücklicherweise gab es aber noch jemand der genau das gleiche Vorhaben hatte wie ich.
Und so bin ich nach einiger Recherche auf einen Thread gestossen, in dem sich jemand erbarmt hat den MIDI-Eingangs Code zu schreiben und eine modifizierte Programmdatei bereitzustellen.

Um die MIDI Ein- und Ausgänge der unter Windows installierten MIDI-Interfaces in SEQ verwenden zu können, muss die MPU401-Unterstützung von DOSBox konfiguriert werden. Ausserdem ist eine Zusatz-Software (in diesem Fall ‚Sonic Foundry MIDI Router‘) zu installieren, falls man die MIDI-Signale des DOS-Seqenzer von bzw. zu anderen Programmen routen will (dann macht es eigentlich erst richtig Sinn)

Downloads:

Sonic Foundry Virtual MIDI Router: Download Seite
Sequenzer Plus Gold: Download ganz unten auf der Seite
Der Link zur Download-Seite hat sich geändert: Download
DOSBox: Download Seite
DOSBox Binärdatei mit MIDI-In Support: ganz unten in diesem Thread oder hier: Downloads

Installation:

Nach der Installation von DOSBox: Das virtuelle Laufwerk C sollte einem Verzeichnis zugeordnet werden, in dem sich der installierte SEQ befinden wird. Wenn SEQ also z.B: in ‚c:dosboxdriveseq‘ landen soll, dann das Laufwerk C in DOSBox wie folgt zuweisen: mount c c:dosboxdrive.

Die Installation des Sequenzer muss von Diskette über die Datei setup.bat erfolgen. Sollte man kein Diskettenlaufwerk zur Hand haben, kann man auch in DOSBox ein virtuelles Laufwerk A: erzeugen. Beispiel: mount a c:dosboxdrivefloppy – dort kopiert man dann die Dateien der Disk1, und nach Aufforderung zum Diskettenwechsel, der Disk2 hinein.
Bei der Installation muss unbedingt als MIDI-Interface MPU401 ausgewählt werden!
Der Start des Sequenzers erfolgt dann innerhalb von ‚c:seq‘ mit ’seq.bat‘.

Nach der Installation des Virtual MIDI Routers erscheint im Gerätemanager dieser Eintrag:

Die Anzahl der virtuellen MIDI-Ports kann auch noch nachträglich in den Eigenschaften des Treibers geändert werden. Im Normalfall sollte aber ein Port reichen.



Durch Aufrufen des Befehls ‚mixer /listmidi‘ innerhalb von DOSBox erhält man eine Liste der im System vorhandenen MIDI-Devices.

DOSBox MIDI Devices

DOSBox MIDI Config

Nun muss die zuvor ermittelte Nummer des MIDI-Gerätes in der Konfigurationsdatei von DOSBox (dosbox.conf) hinterlegt werden. Den Eingangs-Port wird man wahrscheinlich auf das Gerät legen, an dem z.B. ein MIDI-Keyboard angeschlossen ist. Den Ausgang lege ich auf den Port ‚Sonic Foundry MIDI Router‘.
Dadurch ergibt sich nun die Möglichkeit, den MIDI-Ausgang eines DOS-Programmes an ein Windows-Programm zu schicken, welches den virtuellen MIDI-Port wiederrum als Eingang akzeptiert.
Somit kann man in Sequenzer Plus Tracks einspielen, und diese dann mit einem Windows-Sequenzer per MIDI aufzeichnen.
Durch den Support von MIDI-Sync über das virtuelle MIDI-System ist das automatische Mit-Starten bei der Aufnahme auch kein Problem.

Der alte DOS-Sequenzer mit seinen Vorzügen der Schnelligkeit und Intuitivität kann also wieder verwendet werden, um ideengebende Phrasen oder Patterns zu spendieren…

Ob sich das Ganze als wirklich brauchbar erweist, wird sich bald zeigen. Die ersten Tests wirken schon recht überzeugend… vielleicht gibt es ja demnächst bald Klangmaterial dazu…

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