Kurztest DJ Software 1


Seit einiger Zeit ist der Computer als Plattform für virtuelles DJ’ing, also das ‚Auflegen‘ und Mixen von Musik, konkurrenzfähig zum althergebrachten Jonglieren mit Vinyl-Scheiben geworden.
Für das private Vergnügen zuhause will aber nicht jeder gleich tief in die Tasche greifen und 100€ oder mehr investieren.
Ob der Grat zwischen den Möglichkeiten kostenloser Versionen und ausgereifter kommerzieller Software so hoch ist, dass man um eine Investition nicht herum kommt, wollte ich herausfinden.

Folgende Software habe ich getestet:

– UltraMixer Free
– VirtualDJ Home Free
– Zulu DJ-Software
– Mixxx
– Traktor 2 LE

In den Kurztest sind folgende Merkmale eingeflossen:

– Optik und Skalierbarkeit der Oberfläche
– Möglichkeiten der Audio-Konfiguration
– Qualität der BPM-Synchronisation
– Aufnahme-Fähigkeiten
– zusätzliche Features

UltraMixer

UltraMixer

Das Programm UltraMixer 2 wirkt von der Oberfläche her schlicht, aber nicht unangenehm. Das Programm-Fenster hat 1024×768 Pixel Größe und ist über die Wahl eines anderen Skins an die verwendete Auflösung anpassbar. Dabei werden jedoch die Bedienelemente skaliert, was die Darstellung verschwommen macht. Ansonsten ist die Bedienbarkeit gut, besonders die ein- und ausblendbaren Funktionsfenster sind sehr praktisch.
Nervig beim Start der Freeware Version ist eine 30 Sekunden lange Wartezeit. Erst danach ist das Programm verwendbar.

Die Audio-Einstellungen bieten keine ASIO Unterstützung, lediglich DirectX wird angeboten.

UltraMixer Settings

Die Tempo-Synchronisation von UltraMixer findet in der Freeware Version einzig manuell statt, es gibt keine Automatik-Funktion. Gerade Einsteiger werden dadurch am Anfang nur mittelmäßige Ergebnisse erzielen.

Eine interne Aufnahme des erstellten Mix‘ ist in der Freeware-Version von UltraMixer nicht möglich.

Die Effekt-Sektion des Programms weist für die beiden Decks je einen Equalizer für Bässe, Mitten und Höhen auf.

Eine Darstellung der Wellenformen der geladenen Tracks, wie sonst üblich, gibt es bei UltraMixer leider nicht. Was ich absolut nicht verstehen kann, da dies eigentlich ein Muss ist.

VirtualDJ

VirtualDJ

VirtualDJ Home Free nennt sich die kostenlose Version, die mit einer ansprechenden Oberfläche aufwartet und äußerst schnell startet.
Das Programmfenster ist in der Größe frei veränderbar, es werden jedoch auch hier wieder die Bedienelemente grafisch skaliert, was wieder zu einer leichten Unschärfe führt.

Die Audio Konfiguration ist zwar mit kleinen Bildchen versehen und erleichtert die richtige Wahl der gewünschten Kombination von Lautsprecher und Kopfhörer, falls vorhanden. In den erweiterten Einstellungen findet sich auch die Unterstützung von ASIO-Treibern. Die Performance von ASIO-Treibern hilft bei nicht ganz so schnellen Systemen oft gegen sogenannte ‚Dropouts‘ oder verzerrte Wiedergabe. Allerdings scheint der erweiterte Modus in der Free Version nur eingeschränkt nutzbar zu sein, sprich hier möchte der Hersteller dass man für diese Möglichkeit die Vollversion erwirbt und deaktivert nach 10 Minuten die erweiterten Audio-Einstellungen. Somit muss man sehen, ob die Standard Soundkarten-Treiber von der Performance her ausreichen, oder man hier das Geld in die Pro-Version investieren muss.

VirtualDJ Settings

Die Tempo-Synchronisation ist vorbildlich zu nennen. Die Tracks werden nach dem laden schnell analysiert und das Drücken des Sync-Tasters führt zu brauchbaren Ergebnissen. Der Startpunkt der Tracks muss wie bei allen anderen Programmen zunächst überprüft bzw. eingestellt werden, jedoch erleichtert dies die Anzeige der Wellenformen über die ganze Breite des Programmfensters diese Arbeit erheblich.

Die Aufnahme-Funktion von VirtualDJ ist unkompliziert und funktioniert einfach sofort. So soll es sein. Sogar eine CD-Brenn Funktion ist integriert (es wird ein CD-Image erstellt), sowie die Möglichkeit, den Mix direkt aus dem Programm heraus im Netzwerk als Podcast bereit zu stellen.

Das Programm wartet mit diversen Effekten auf, die weit über Reverb, Delay und Flanger hinausgehen. Sogar Video-Effekte sind mit dabei, wobei ich die Video-Funktionalität nicht getestet habe.

Zulu

Zulu

Das Programm ‚Zulu DJ-Software‘ in der kostenlosen Basis-Version hat eine schlichte grafisch Oberfläche, die aber nicht unbedingt hässlich wirkt. Ein Pluspunkt ist schonmal, dass das Programmfenster frei skalierbar ist. Dies scheint die simple grafische Gestaltung möglich zu machen, dafür wird auf hochauflösende Bedienelemente von vornherein verzichtet.

Die Audio-Einstellungen lassen die Auswahl von ASIO-Treibern zu und erscheinen zweckmäßig und leicht verständlich. Gut so.

Zulu Settings

Eine BPM-Synchronisation ist zwar vorhanden, die Erkennung benötigt aber sehr viel Zeit. So dauert es bis zu zwei Minuten, bevor ein geladener Track synchronisiert werden kann. Jedoch zeigte die Tempo-Erkennung bei meinen Tests keine sinnvollen Ergebnisse. Man muss also das Tempo doch wieder manuell anpassen.

Eine simple Aufnahme-Möglichkeit ist bei Zulu vorhanden. Diese erstellt eine WAV-Datei.

Das Programm Zulu bietet je einen 3-Band EQ sowie 6 verschiedene Effekte pro Deck.

Mixxx

Mixxx

Die DJ-Software Mixxx wartet mit einem schicken Design auf. Die Oberfläche ist in den Einstellungen auf die verwendete Auflösung anpassbar, eine freie Skalierung ist nicht möglich. Jedoch sieht das Programm in jeder gewählten Größe gleich gut aus, und der Nachteil dass der Track-Browser nicht in der Größe veränderbar ist, relativiert sich dadurch.

Die Audio-Konfiguration von Mixxx ist sehr flexibel, auch eine ASIO-Unterstützung fehlt nicht.

Mixxx Settings

Die Tempo-Synchronisation ist bei Mixxx hervorragend und zügig implementiert, selbst als Anfänger findet man schnell Spaß daran, Tracks taktgenau einzuspielen. Es geht leicht von der Hand. Lediglich bei Musik mit wenig oder leisem Schlagzeug versagt die BPM-Erkennung, was aber verschmerzbar ist. Zumal die Zielgruppe ja eher die Freunde tanzbarer Musik sein werden 😉

Die Aufnahme-Funktion von Mixxx ist simpel aber funktional. In den Einstellungen hat man die Möglichkeit, MP3, WAV oder OGG zu wählen und auch die Qualität ist einstellbar. Über die ‚R‘ Taste kann die Aufnahme schnell gestartet und gestoppt werden.

An Effekten bietet das Programm lediglich Delay und LFO, sowie den obligatorischen 3-Band EQ für Bässe, Mitten und Höhen. Diese funktionieren jedoch erstaunlich gut und greifen überzeugend in das Soundgeschehen ein.
Mixxx stellt auch noch ein paar erweiterte Funktionen, die die Verwaltung von Tracks betreffen, bereit. Außerdem ist eine ‚Auto DJ‘ Funktion vorhanden, die aus zuvor ausgewählten Tracks selbstständig einen Mix erstellt. Eine ähnliche Funktion beinhalten auch die anderen Programme, jedoch scheint diese hier besser gelöst zu sein.

Traktor

Traktor

Zu guter Letzt gehe ich noch kurz auf das kommerzielle Programm ‚Traktor 2 Pro‘ ein, dessen Vollversion für 30 Tage getestet werden kann. Außerdem ist eine abgespeckte Version namens ‚Traktor 2 LE‘ verfügbar, jedoch nur im Bundle mit einem Native Intruments Audio Interface. Nachteil der LE Version ist, dass sie keine Aufnahmemöglichkeit bietet. Was ich sehr schade finde, denn ansonsten wäre das Programm eine echte Alternative zu den kostenlosen Konkurrenten.

Außer Konkurrenz steht Traktor 2 jedoch in Bezug auf die optische Erscheinung. Diese ist absolut vorbildlich, wenn auch im Vergleich zu den anderen etwas überladen wirkend.

Wie nicht anders zu erwarten, unterstützt Traktor auch ASIO Treiber. In Zusammenhang mit beispielsweise dem USB Audio-Interface ‚Traktor 2 Audio‘ kann von Plug and Play gesprochen werden, denn hier ist nichts falsch zu machen.

Die Tempo-Synchronisation funktioniert bestens und geht wie von selbst. Einsteiger erzielen sofort ein brauchbares Ergebnis. Im Vergleich zu Mixxx dauert allerdings das Analysieren der Tracks etwas länger.

Die Effekt-Abteilung lässt nicht zu wünschen übrig und die Verwaltung von Playlists sowie die Auto-DJ Funktion überzeugen absolut.

Lediglich der Preis der Pro-Version von knapp 200€ wirkt etwas übertrieben. Jedoch erhält man dafür 4 Audio Decks sowie die Unterstützung von Loop Recording und eigene Sample-Decks.
Reichen einem 2 Audio-Decks aus und man kann auf die erweiterten Loop-Funktionen verzichten, so bietet sich noch die Version ‚Traktor Duo‘ an, welche dann aber immer noch die Aufnahme-Funktion sowie eine Basis-Unterstützung von Samples bietet. Diese Version ist für ca. 120€ erhältlich. Ein Upgrade von der LE Version zum Reduzierten Preis möglich.

Fazit

Das eine oder andere Freeware Programm kann trotz seiner Einschränkungen vollkommen ausreichen, um die eigenen DJ-Fähigkeiten auszuloten. Für Fortgeschrittene bietet sich das Programm ‚Mixxx‘ an, welches komplett kostenlos ist, sich aber gleichzeitig von der Konkurrenz in manchen Bereichen abhebt.
Möchte man aber über das reine Erstellen und Aufnehmen von Mixes hinausgehen, und beispielsweise mehr Effekte sowie Sample-Unterstützung haben, muss man Geld investieren.
Eine günstige Möglichkeit bietet der Erwerb eines Audio-Interfaces von NI, mit dem man Traktor LE im Bundle erhält. Jedoch muss man dann auf die integrierte Aufnahmen-Möglichkeit verzichten oder später auf Traktor Pro upgraden.
Sehr empfehlenswert ist auch das Programm VirtualDJ, welches in der Free Version einen Vorgeschmack auf die nicht unerheblichen Features der Vollversion zeigt, ohne dabei auf essentielle Funktionen zu verzichten. Die Vollversion schlägt allerdings mit knapp unter 300€ noch massiver zu Buche, als Traktor Pro.

Links:

UltraMixer (http://www.ultramixer.com)
VirtualDJ (http://de.virtualdj.com)
Zulu (http://www.nch.com.au/dj/de/index.html)
Mixxx (http://www.mixxx.org)
Traktor (http://www.native-instruments.com/#/products/dj/traktor)

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