Ubuntu classic Desktop mit Trinity und MATE


Seit der Version 10.x wird bei Ubuntu eine neue grafische Oberfläche mitgeliefert, die zuvor nur für Netbooks vorgesehen war: Unity.
Diese verfolgt einen komplett neuen Ansatz der Benutzerführung. Ich will nicht viele Worte darüber verlieren; Unity und parallel dazu auch Gnome 3 haben mit der bisherigen Tradition von Desktop-Oberflächen gebrochen und gehen einen Weg, der meines Erachtens für Tablet-PCs geeignet ist, aber nicht für einen normalen Desktop-PC.

Glücklicherweise wurde der ursprüngliche Desktop ‚Gnome 2‘ von einem unabhängigen Entwicklerteam unter dem Namen MATE weitergeführt.

Etwas früher schon wurde der Desktop KDE 3.5.x vom Nachfolger 4.0, der mehr auf grafische Spielereien als auf Benutzerfreundlichkeit abzielt, abgelöst. Leider wurden in diesem Zuge einige ausgereifte Anwendungen, die auf KDE 3 basieren, ebenfalls aufgegeben.
Zum Glück wird KDE 3 unter dem Namen ‚Trinity‘ ebenfalls von einem unabhängigen Programmierteam weiterentwickelt.

-> MATE ersetzt den früheren GNOME 2 Desktop und ist kompatibel zu einer Masse an Anwendungen

-> TDE (Trinity Desktop Environment) ersetzt KDE 3.x und bietet damit Support für z.B. Kaffeine 0.8 und Clementine (Amarok 1.4 Fork)

Ich habe mich also dazu entschieden, mein System unter Zuhilfenahme einer Ubuntu 12.04 Live-CD mit integriertem Trinity Desktop neu aufzusetzen.
Die Ubuntu 12.04 CD mit integriertem Trinity Desktop war ein ‚Weihnachtsgeschenk‘ eines Forum-Users:
http://comments.gmane.org/gmane.comp.desktop.trinity.user/3179
Der Download der CD für 32 und 64 Bit befindet sich unter:
http://www.mirrorservice.org/sites/trinitydesktop.org/trinity/cdimages/thirdparty/ubuntu/

Nachdem ich MATE sowie die von mit benötigten Programme nachinstalliert habe, ist das Ergebnis ein schnelles, schickes und bisher auch sehr stabiles System auf einer aktuellen Ubuntu-Basis.

Für alle die an der Sache interessiert sind, den Installationsaufwand aber nicht selber betreiben wollen, habe ich eine Live-DVD meiner Ubuntu 12.04 Installation mit MATE, TDE und LXDE, sowie favorisierten Anwendungen erstellt.
MATE ist hier der Standard-Desktop, kann aber im Anmelde-Bildschirm geändert werden. Das Design habe ich jedoch nur unter MATE angepasst.
Download (x86 only):
md5: ubuntu12.04_mate-trinity-lxde_netandif-dist.iso.md5
ISO (ca. 1.6 GB): ubuntu12.04_mate-trinity-lxde_netandif-dist.iso

Kritik, Lob, Anmerkungen in Form eines Comments sind jederzeit herzlich willkommen!

Hier nun eine Übersicht der einzelnen Schritte:

Zunächst lädt man sich ein aktuelles Ubuntu 12.04 Installations-Image und brennt dieses auf CD.
Auf die Installation von Ubuntu muss ich hier nicht näher eingehen.

Im neu installierten System fügt man die Installationsquellen für TDE hinzu und installiert dieses.
Siehe hierzu:
http://www.trinitydesktop.org/wiki/bin/view/Documentation/UbuntuBinaryInstallation
Alternativ installiert man die oben genannte TDE Live-CD. Der Vorteil ist, dass in dieser Ubuntu-Installation kein Unity vorhanden ist und man dieses somit hernach nicht deinstallieren muss.

Als nächstes folgt die Installation von MATE.
Hier befindet sich eine (englische) Anleitung:
http://ubuntuportal.com/2012/04/how-to-install-mate-desktop-in-ubuntu-12-04ubuntu-11-10.html
Der Installationsprozess sollte keine Probleme bereiten.

Nun ist es an der Zeit, MATE als Desktop zu wählen. Dazu kann man im Standard Login-Manager von Trinity (kdm) die Sitzung ‚MATE‘ auswählen.
Ich habe jedoch den Login-Manager durch ‚lxdm‘ ersetzt, welcher optisch schöner ist und eine Benutzerliste unterstützt.
LXDM ist in den Standard Paketquellen vefügbar, lässt sich also einfach per ’sudo apt-get install lxdm‘ installieren.

Sofern man etwas ‚Eye-Candy‘ möchte, sollte man nun Compiz installieren. Dabei ist es wichtig, das Werkzeug ‚ccsm‘ zur Konfiguration von Compiz mit zu installieren (sudo apt-get install compizconfig-settings-manager).

Der standardmäßige Fenstermanager von MATE nennt sich “marco‘. Um dem MATE Desktop mitzuteilen, dass er nicht ‚marco‘ sondern Compiz verwenden soll, muss dies im Konfigurations-Editor (mate-conf) geändert werden. Dieses Werkzeug lässt sich per ’sudo apt-get install mateconf-editor‘ nachinstallieren.
Dort navigiert man zum Schlüssel ‚desktop->mate->session->required components‘ und ersetzt ‚marco‘ durch ‚compiz‘.
Die Änderung greift nach dem erneuten Anmelden.

An dieser Stelle ist es nun dringend erforderlich einige Plugins in Compiz zu aktivieren, da alle Funktionen standardmäßig deaktiviert sind und man so mit dem Desktop nicht arbeiten kann.
Dazu öffnet man in einer Konsole ‚ccsm‘ oder über das Menü unter System->Einstellungen den Eintrag ‚CompizConfig Einstellungsmanager‘.
Folgende Plugins aktivieren: Composite, OpenGL, Animations, Feinster ein-/ausblenden, Fensterdekorationen, Anwendungsumschalter, Fenster platzieren, Fenster skalieren, Fenster verschieben
Wichtig: nochmal checken, dass das Plugin ‚Fensterdekorationen‘ aktiviert ist. Das Kommando ‚/usr/bin/compiz-decorator‘ muss normalerweise nicht geändert werden, denn es findet den installierten, kompatiblen Fensterdekorator automatisch. Unterstützt werden die Fensterdekoratoren von : GTK, KDE, Emerald und eben metacity.

Kleine Info noch an dieser Stelle: Compiz ist ein Fenster-Manager, der Animationen und andere Desktop-Effekte bietet. Dazu wird ein hardware-beschleunigter Grafiktreiber benötigt, den man wahrscheinlich zwecks besserer Grafikperformance und OpenGL-Unterstützung sowieso installieren möchte.
Wenn nun alles gut aussieht, war’s das dann auch schon fast. Weitere Infos zur Installation von Compiz unter MATE sind evtl. in diesem Blog zu finden:
http://www.tuxgarage.com/2012/05/run-mate-with-compiz-in-ubuntu.html

Falls man, wie ich, das Standard-Design von Ubuntu (Ambiance) liebgewonnen hat, möchte man dieses wahrscheinlich unter MATE einstellen.
Die Auswahl des Designs unter ‚Einstellungen->Erscheinungsbild‘ greift aber nicht für die Fensterdekorationen, da wir ja nun Metacity einsetzen.

In Ermangelung einer GUI kann man das Design von Metacity über den Konfigurations-Editor (diesmal gconf-editor und nicht mateconf-editor, da Metacity dort seine Einstellungen speichert) einstellen (sudo apt-get install gconf-editor).

Das Ambiance Theme wird leider nicht komplett übernommen, vor allem die Desktopleisten streuben sich da etwas.
Daher hat ein netter User ein Theme-Paket erstellt, welches diese fehlenden Elemente ausgleicht:
http://gnome-look.org/content/show.php/Ambiance+%26+Radiance+Colors+Version?content=147891

Das war’s eigentlich. Ich empfehle noch folgende Anwendungen:
– Kaffeine 0.8.8 (unter TDE vorinstalliert) -> DER DVB-Viewer und Mediaplayer
– Clementine (Musik-Player auf Basis von Amarok 1.4
http://www.clementine-player.org/de/downloads
– MPlayer Codecs und DVD-Unterstützung (auch für Kaffeine)
http://www.ubuntugeek.com/install-mplayer-and-multimedia-codecs-libdvdcss2w32codecsw64codecs-on-ubuntu-12-04-precise.html
– Evolution 3.2.3 – bester E-Mail Client auf gtk2-Basis (in den Paketquellen)

Ich gebe zu, der Weg ist nicht gerade der einfachste,  um ein aktuelles Linux-System mit klassischer GNOME oder KDE Oberfläche zu erhalten.
Jedoch lohnt er sich meines Erachtens definitiv.

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