Die Zukunft des Desktops


Weg von den grauen Kisten mit deren eingestaubtem Bedienungskonzept – hin zu hübschen, alltagstauglichen Multimediageräten mit intuitiver Benutzerschnittstelle – dies scheint die Tendenz zu sein, die man derzeit auf dem Mainstream Computing Markt vorfindet.

Der Versuch, den klassischen Desktop – sprich die Maus und Tastaturbasierte Steuerung über Menüs und anklickbare Symbole – zugunsten eines Smartphone-optimierten Eingabesystems aufgeben zu wollen, stößt auf harte Kritik bei vielen Usern (mich selbst eingeschlossen).

Schliesslich entscheidet die Art des Endgeräts über die beste Form der Steuerung desselben. Welchen Sinn macht es, ein Tablet oder Smartphone per Maus steuern zu wollen? Genausowenig Sinn macht es, einen Desktop-PC mit einem Touchscreen zu bedienen. Das kann in Einzelfällen (Kiosk-System, Eingabeterminal) praktikabel sein, aber doch nicht beim normalen PC zuhause oder am Arbeitsplatz.

Daher ist es ziemlich unverständlich, warum im Falle von Windows 8 genau dieser falsche Weg gegangen wird.
Die neue ‚Metro‘ Oberfläche von Windows 8 gleicht eher einem Programm aus den 90er Jahren, als einem modernen Desktop.

Windows 8 2012 vs. AOL 1996

Die gestenbasierte Eingabemethode mag ja an sich funktionieren, aber mit Maus und Tastatur wirkt die Bedienung eher dümmlich.
Möchte man den klassischen Desktop wiederhaben, wird man unter Windows 8 enttäuscht. Das frühere Startmenü gibt es nicht mehr und die Fenster sehen aus wie ein billiges Sharewaretool. Hier ist man dann auch bald zuhause: auf dem Drittanbietermarkt für Tools, die einem dann ansatzweise wieder einen brauchbaren Desktop zurückgeben.

Sieht man sich mal die Desktop-Konkurrenz an, stellt man fest dass die Innovation in Richtung Mobilgeräten auch hier vorhanden ist, jedoch in weitaus sinnvollerer Form.
Apple pflegt sein iOS für Smartphones und Tablets, während MacOS für Apple-PCs allem Anschein nach auch in Zukunft einen praktikablen Desktop bieten wird.
Unter Linux sieht es naturgemäß sehr viel gestreuter aus. Während der große Linux-Distributor Canonical mit seinem Ubuntu ebenso eine Benutzer-Oberfläche zum Standard erhebt, welche für mobile Geräte optimiert ist, versuchen Sie allerdings nicht mit aller Gewalt den klassischen Desktop abzuschaffen.

Die 3 großen aktuellen Desktop-Oberflächen für Linux sind: KDE 4, GNOME 3 und Unity. Unter Ubuntu findet man aktuell Unity als Standard vor. Unity liefert wie auch GNOME 3 einen neuen Ansatz der Bedienung eines ‚Device‘, welche sehr gut für mobile Geräte geeignet ist.
Auch hier findet eine Abspaltung zum normalen Desktop ab, allerdings nicht so extrem wie bei Windows 8. Manche User können sich schnell an die neue Bedienung gewöhnen, andere kommen damit überhaupt nicht klar.
Meiner Erfahrung nach können Computer-Neulinge mit Ubuntu und dem Unity Desktop sehr schnell umgehen. ‚Alte Hasen‘, die den klassischen Desktop benutzen, finden Unity wiederum zu eingeschränkt.
Daher haben sich ‚Forks‘ der altbekannten Desktops GNOME 2 und KDE 3 entwickelt und weitere Desktop-Alternativen wie XFCE, E17 und LXDE helfen weiterhin dabei, dass kein Linux-User dazu gezwungen ist, Unity oder GNOME 3 zu verwenden. Das ist ja das tolle an der OpenSource Welt, dass man die freie Wahl hat.

Fazit: wer an der Benutzer-Oberfläche von Windows 8 keinen Gefallen findet, hat Pech gehabt. Er muss entweder bei Windows 7 bleiben, oder sich mit Shareware und Freeware-Tools behelfen. Den echten Windows-Desktop wird er aber unter Windows 8 und auch dem Nachfolger 9 nie wieder zurück bekommen.
Wer mit MacOS arbeitet, hat nichts zu befürchten und wer sich mit Linux als Desktop-System angefreundet hat, der kann sowieso seinen Desktop frei wählen. Keiner muss sich hier mit der Vision eines einzelnen, kommerziellen Anbieters abfinden. Gefällt mir Desktop A nicht, installiere ich B usw.
Dennoch geht der Trend sicherlich hin zu mobilen Geräten. Und auch hier gibt es genügend verfügbare Innovationen (Android, Firefox OS, Ubuntu for Smartphones…), die es jedoch garantiert nicht erforderlich machen, den klassischen Desktop auf dem PC abzuschaffen.

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